Motto der aktuellen Ausschreibung
Literatur Nod-Ost, Dr. Gregor Ohlerich, Engeldamm 66, 10179 Berlin, Tel. 030 / 30 644 260, ohlerich@freie-lektoren.de

12. Literaturpreis Nordost 2018

Motto: Frühling in Wild-West
Genre: Kurzprosa

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die den diesjährigen Ausritt in die wilden Gefilde der kulturellen Zuschreibung und Dominanz gewagt haben. Unverkennbar sind unsere Kostüme eine blätternde Maskerade, die es Schicht für Schicht zu ergründen gilt. Wir freuen uns, die diesjährigen Preisträger_innen mit ihren Beiträgen präsentieren zu dürfen.

1. Platz — Sabine Schönfeldt: Old Mama & Little Child

PorträtFOTO: privat

»So ist’s recht. Fluppe ins Maul der Mutter, Cowboystiefel an die Füße und diese auf den Behandlungstisch von Dr. Henk. Wie liebend gern würde sie so auch Rankenstein und Stankenrein gegenübertreten, den Grundschullehrerinnen, die sie, die Mutter, mit dem Kind zusammen bekommen hat.«

Sabine Schönfeldt kommt aus Hamburg, studierte dort Germanistik und Romanistik, lebt seit 2000 in Berlin, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache, schreibt Hörspiele und Theaterstücke und initiiert Literaturveranstaltungen wie den Mittenwalder Salon, die Carmer 1-Lesebühne, den Westberliner Stückeabend und das 24h-Power-Play.

2. Platz — Pamela Steen: Frühlingsgeräusche

PorträtFOTO: privat

»Im Untergeschoss ist es ruhig, geradezu idyllisch. Hannes mag das Kaufhaus am Dienstagvormittag. Weil es ihn nicht gibt, diesen Ort, nicht für Menschen, die von Montag bis Freitag, von 9 bis 18 Uhr arbeiten. Orte, die es nicht gibt, beruhigen ihn. Leider gibt es so wenige davon.«


Pamela Steen arbeitete viele Jahre als Moderationsredakteurin bei den ARD Tagesthemen, studierte u. a. Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hamburg, wo sie später als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war und promovierte. Derzeit lebt sie in Leipzig und ist Juniorprofessorin an der Universität Koblenz-Landau. 2013 gewann sie mit einer Erzählung den 2. Preis des Evangelischen Literaturwettbewerbs.

3. Platz — Signe Ibbeken: Die uralten Damen

PorträtFOTO: Freia Könieger

»Jedes Jahr, wenn es Frühling wird, sitzen im Park auf der Wiese, bunt verteilt und in prächtigen Röcken, die uralten Damen. Anmutig wie Blüten auf Stängeln wiegen sie sich im Wind, dabei lächeln sie viel. Aber immer mit geschlossenen Mündern, denn unter ihren Zungen haben sie Rasiermesser liegen …«


Signe Ibbeken, geboren in Berlin, Schauspielerin und Autorin, Veröffentlichung von Lyrik und Kurzprosa in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, u. a. den Wiener Werkstattpreis (Hauptpreis der Jury), zuletzt: Publikumspreis beim Literaturwettbewerb Kalendergeschichten im Literaturforum im Brecht-Haus Berlin 2018. Im März erschien ihr Prosadebut auf einer lichtung steht ein tiefgefrorenes reh - berichte aus einer großen stadt bei PalmArtPress, Berlin.